Zum Nachdenken

„Als Strafe fährst Du nicht mit bei den Pfadfindern!“

Viele Eltern haben sich diesen Satz schon überlegt bzw. auch ausgesprochen und zeigten dann Konsequenz bei der Durchsetzung („Diesmal hast Du mich nicht herumgekriegt!!!“).

So wichtig Konsequenz bei der Erziehung sein mag, so unpassend ist diese Strafe aus Sicht des gesamten Pfadfindergedankengutes.

Eine der wichtigsten Eigenschaften, die wir den Kindern mitgeben wollen, ist es, verlässlich zu sein, ist es andere nicht im Stich zu lassen und ist es ein gegebenes Wort nicht zu brechen.

Natürlich geht es nicht um weltbewegende Dinge, wenn ein Kind einmal nicht in die Heimstunde geht, oder wenn es am Wochenende nicht mitfahren darf. Die Pfadfindergruppe hat damit wohl das kleinste Problem, ob nun einer von 50 oder gar 70 Kindern nicht dabei ist.

Aber das gesamte Pfadfinderkonzept leidet schon sehr darunter, denn das Kind lernt nur eines, wenn ich den Eltern Ärgernis bereite, dann sind all meine Tugenden nur mehr halb so viel wert. Meine Beteuerung in der Patrulle dabei zu sein, mein Pfadfinderversprechen nach meinen besten Möglichkeiten mitzutun, einfach eine verlässliche Person zu sein, kann nun das Kind nicht einhalten und lernt dabei zu relativieren: Pflicht kann man sich zurecht legen wie man will… (ob dann die Hausübungspflichten oder andere spätere (gibt es ja auch einige), diese sind dann auch nicht so genau zu nehmen! Es ist nun mal Eigenart eines Kindes sich durch viele kleine Eindrücke ein Bild der Welt zuverschaffen, und sich so zu verhalten wie Erwachsene es dem Kind vorleben.

Bei der Strafe „du gehst heute nicht zu den Pfadfindern“, ist man konsequent bei der Bestrafung, aber schonweit weniger konsequent was die Erziehung angeht.

PS: es gibt noch einige andere weit bessere Strafen: Fernsehverbot, Tachengeld reduzieren, Computerspielverbot und vieles mehr. Eltern sind dabei aufgerufen (sollten die Strafen überhaupt notwendig sein)möglichst so kreativ als möglich zu sein.